






Etwa 80 Prozent aller derzeit lebenden Tiere sind Insekten. Dabei sind die kleinen Krabbler richtige Erfinder, denn nicht der Mensch hat den Klettverschluss oder den Saugnapf erfunden – Nachtfalter kletten ihre Flügel in der Ruhestellung mit Hautzähnchen zusammen, und Raupen heften sich mit Saugnäpfen fest an glatte Flächen. Sie hören mit Beinen und Rücken, im Bauch können sie die Zutaten für ätzende und heiße Gasbomben speichern. Mehr als das 40-Fache ihres Körpergewichtes zu stemmen ist kein Problem. Sie bilden Staaten mit Tausenden Mitgliedern und kommunizieren über Duftstoffe. Ihre Nester bauen sie kunstvoll aus Holz, Schlamm oder Blättern. Viele leben drei oder gar vier Leben in unterschiedlichsten Lebensräumen, als Ei, Larve, manchmal als Puppe und als Erwachsener. Sie können rückwärtsfliegen, an der Decke schlafen und über Wasser laufen. Kurz gesagt: Insekten sind in ihrer Vielfalt das Erfolgsmodell der Evolution.
Einfach zu begreifen sind sie aber keineswegs: Der Vater der Evolutionslehre, Charles Darwin, war schon zu Schulzeiten von Käfern fasziniert. Später stellte ihn das Kastenwesen der Ameisen vor eine gedankliche Hürde. Warum, so fragte er sich in „Die Entstehung der Arten“, gibt es in einer Population körperlich und in ihrer sozialen Stellung höchst verschiedene Arbeiter? Alfred Russel Wallace fragte, warum es unter malaiischen Schmetterlingen zur gleichen Zeit und am gleichen Ort unterschiedlich gefärbte Weibchen gibt. Die Krabbeltiere brachten und bringen Evolutionsforscher das ein oder andere Mal in Erklärungsnot. Moderne Insektenforscher wie Edward O. Wilson erklären an Insekten die ganze Evolution – und an Ameisen das Prinzip des Soziallebens. Verhaltensforscher, wie etwa der Franzose Jean-Henri Fabre, gerieten über das Sozialleben der Sandwespe und den Tanz der Pillendreher um die aus Mist geformte Brutkugel in Begeisterung – und widmeten den Insekten ihr Leben.
Quelle – Ausschnitte aus dem Artikel von Welt-Online vom 25.08. von Pia Heinemann





























